„Frau. Leben. Freiheit“ - Ein Archiv der flüchtigen Protestformen

Protestarchiv und Gesprächsraum

Gastgeberinnen: Negin Rezaie / Maryam Shahidifar

Installationen: Johannes Wiener, Rozina Pátkai, Masimba Hwati und Negin Rezaie

PRESSELINKS

* ORF Beitrag kulturMontag vom 06.03.2023

* ORF OE1 Leporello vom 08.03.2023

Eröffnung und Archivgespräch #1

8. März 2023, 19 Uhr

Anlässlich der Protestbewegung von „Frau. Leben. Freiheit“ richtet die Künstlerin Negin Rezaie ab 8. März 2023 ein offenes Archiv der flüchtigen Protestformen und einen dazugehörigen Gesprächsraum ein. Darin werden ephemere Bilder und Videos der vergangenen Monate gesammelt und versammelt. In fünf Gesprächsabenden öffnen Gäste aus Aktivismus, Medien, Wissenschaft und Kunst das Archiv, bringen die brennenden Zeugnisse des Kampfes zur Sprache und erwecken die versiegelten Gesten des Widerstands im Raum noch einmal zum Leben. Über die Bilder und Videos nähern sie sich den Fragen, die Viele dieser Tage beschäftigen: Wird diese Revolution für das Leben glücken? Was kommt danach? Und was können wir für andere Kämpfe davon lernen?

Das Archiv wird fortlaufend erweitert und wandert ab 16. Juni weiter nach Graz: <rotor>

Aufruf zur Eingabe ins Archiv: Wenn auch Sie Zeugnisse des Protests gesammelt haben, können Sie diese unter der Adresse protestarchiv@hinterland.ag dem Archiv hinzufügen.

Gemeinschaftlich kuratiert von KünstlerInnen aus Iran und Österreich / curated collectively from Iran and Austria


Woman. Life. Freedom - An archive of ephemeral forms of protest

Protest archive and conversation space

Hosts: Negin Rezaie / Maryam Shahidifar

Installations: Johannes Wiener, Rozina Pátkai, Masimba Hwati and Negin Rezaie

Opening and Archive Talk #1

March 8, 2023, 7 pm

On the occasion of the protest movement of "Woman. Life. Freedom," artist Negin Rezaie is setting up an open archive of ephemeral protest forms and an associated conversation space starting March 8, 2023. In it, ephemeral images and videos from the past months will be collected and gathered. In five evenings of conversation, guests from activism, media, academia, and the arts will open the archive, bring up the burning testimonies of struggle, and bring the sealed gestures of resistance in the space to life once again. Through the images and videos, they approach the questions that occupy many of these days: Will this revolution for life succeed? What will come after it? And what can we learn from it for other struggles?

Call for entry into the archive: If you also have collected testimonies of the protest, you can add them to the archive at the address protestarchiv@hinterland.ag.

The archive is continuously being expanded and moves on.


Talk

Callshop Radio - Kubatur des Kabinetts

with Negin Rezaie, Gudrun Wallenböck, Ursula Maria Probst

In der Kubatur des Kabinetts

Ausstellungsdauer: 12. September – 15. Oktober 2023

Ein Projekt von Negin Rezaie und hinterland Wien, in Kooperation mit <rotor> Graz, FLUCC-Billboards

Auf den Billboards des FLUCC affichiert ist das Archiv im Außenraum 24 Stunden am Wiener Praterstern sichtbar.

FLUCC, Praterstern 5, 1020 Wien

Programm: www.fluc.at


Vanja Krajnc, „O.T. (breaking the veil)“, 2022 (<rotor>)

 

FÜR... das Tanzen auf der Straße

June 16 - October 21, 2023 at <rotor>

Ausstellungsdauer: 17.6.-29.7. & 28.8.-21.10.2023

Volksgartenstrasse 6a, 8020 Graz, Austria

Programm: <rotor>

 
 
 

Installation views @hinterland

Photos: Jakob Lindner


ARCHIVGESPRÄCHE

GASTGEBERINNEN

“Ich bin Negin Rezaie. Mehr als jede andere Definition bin ich ein menschliches Wesen, das im geografischen Raum des Iran geboren wurde, und ich bin eine Frau. Zufälligerweise bin ich eine Performance-Künstlerin, die zur Emigration gezwungen wurde und nun die Möglichkeit hat, all ihre vergangenen Erfahrungen zu kombinieren und sie in ein Projekt zu verwandeln, durch das ich nun über die aktuellen Ereignisse in meinem Heimatland sprechen kann. Eine Künstlerin, die die Möglichkeit gefunden hat, all die Angst, die Wut, die Frustration und den Schmerz, die ich erlebt habe, in den kühnen Gestalten der Männer und Frauen auf der Straße wiederzuentdecken, durch die sie ihre lange verlorene Sprache wiederfinden können.

Jedes der Bilder des Archivs wirkt wie eine Reflexion eines kollektiven Schmerzes, mit dem die meisten von uns gelebt haben. Die Bilder dieser Figuren zeigen von Schmerz erfüllte Körper, die die herrschende Macht brechen und diese Wut vervielfältigen wollen, um sie in etwas Größeres zu verwandeln. Es sind Reaktionen auf den Druck, der uns auferlegt wird, der uns manchmal in die Ferne treibt und uns zwingt, als "EinwandererIn" bezeichnet zu werden. Es ist so weit gekommen, dass wir eine Veränderung fordern, und wir stehen zu unseren Forderungen.”

Maryam Shahidifar (*1994 in Teheran/Iran) ist Künstlerin und Designerin. Sie absolvierte eine Ausbildung in Mode- und Textildesign sowie den Masterstudiengang in Kostümdesign an der Hochschule für Kunst und Mode in der Herbststraße. Ihre Leidenschaft für die Auseinandersetzung mit verschiedenen Medien führte sie zu einem weiteren Studium der künstlerischen Fotografie an der Friedl Kubelka Schule, wo sie sich auch mit Performancekunst und Bildhauerei beschäftigte. Derzeit studiert Maryam ortsspezifische Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo sie ihren künstlerischen Horizont weiter ausbaut. Maryams Arbeit ist sowohl von ihren persönlichen Erfahrungen als auch von ihren künstlerischen Erkundungen geprägt. Sie spiegelt ihre tiefe Verbundenheit mit den Erfahrungen von Frauen im Iran wider und konzentriert sich auf den menschlichen Körper, insbesondere den weiblichen, in sozialen und politischen Räumen.  Maryam lässt sich von einer Reihe künstlerischer Bewegungen inspirieren, darunter ökofeministische Kunst, Körperkunst und postkoloniale Diskurse. Sie lebt und arbeitet derzeit in Wien.

Please note that filming/photography is taking place at these events for promotional and archival purposes. The photographs and recordings will also appear on our website and social media channels - by entering the event, you consent to such.

Bitte beachten Sie, dass während der Veranstaltungen zu Werbe- und Archivzwecken gefilmt/fotografiert wird. Die gemachten Aufnahmen werden auch auf unserer Website und in den Social-Media-Kanälen erscheinen - Mit der Teilnahme an der Veranstaltung stimmen Sie dem zu.

ARCHIVGESPRÄCH #5 (in German / in Deutsch)

14. Juni, 19 Uhr

Die Iranische Revolution für das Leben? Die Poetik und Politik der Strassen im Iran.

Überall auf der Welt entstehen neue Formen des Protests, die oft durch ihren poetischen und politischen Einsatz der Straße gekennzeichnet sind. Bei diesen Protesten werden Körper und Performativität als Mittel des Widerstands und Ausdrucks eingesetzt, um traditionelle Formen des politischen Diskurses in Frage zu stellen und neue Formen politischer Partizipation zu schaffen. Die jüngsten Proteste im Iran sind ein eindrucksvolles Beispiel für dieses Phänomen. Diese Proteste werden durch einen kreativen und dynamischen Einsatz von Körpern, Gesten, Darbietungen und Performativität gekennzeichnet, um die Autorität des Staates herauszufordern und kollektive Beschwerden und Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Durch die Besetzung öffentlicher Räume, die Bildung von Menschenketten und die Konfrontation mit Polizei und Sicherheitskräften schaffen die Demonstranten eine Sprache des Widerstands, die über traditionelle Formen der politischen Kommunikation hinausgeht.

GUESTS / GÄSTE

Eva von Redecker ist Philosophin und Autorin von „Revolution für das Leben - Philosophie der neuen Protestformen“. In ihrem Buch untersucht Redecker die Art und Weise, wie zeitgenössische Protestbewegungen die Grenzen des politischen Ausdrucks und der Partizipation durch innovative Aktions- und Kommunikationsformen neu definieren. Sie argumentiert, dass diese neuen Formen des Protests traditionelle Machtstrukturen in Frage stellen und neue Räume für politisches Engagement und sozialen Wandel eröffnen.

Veronika Dirnhofer lehrt heute als Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien. 1987 begann sie ihr Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Markus Prachensky. 1992 schloss Dirnhofer ihr Studium mit Auszeichnung ab. Ab 1993 war sie als Hochschulassistentin an der Akademie bei Gunter Damisch tätig. Ab dem Jahr 2002 hielt Veronika Dirnhofer eine Gastprofessur an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz. In Veronika Dirnhofers abstrakter Malerei überlagern sich Papiere und Farben wie Lebensthemen und Gedankenstränge, auf deren Spur uns die aus dem Alltag oder der Literatur entlehnten poetischen Titel führen.


ARCHIVGESPRÄCH #4 (in English & German / in Englisch & Deutsch)

26. April, 19 Uhr

Bodies that matter, gestures and performativity of the uprising / Körpereinsätze. Körper, Gesten und Performativität des Aufstands

ENGLISH: The bodies, gestures, performances, and performativity of the recent feminist uprising in Iran are provide a powerful visual and embodied expression of the collective grievances and aspirations of the Iranian people. These forms of protest also serve as a means of communication and coordination among protesters. By creating these forms of expression, protesters are able to convey messages and ideas to each other without relying on traditional forms of communication, which may be monitored or censored by the state. It is also important to note that the use of bodies, gestures, performances, and performativity in the protests is not limited to artists or academics but is a form of resistance that is accessible to all classes and marginalized groups in Iranian society. This has allowed for a diverse range of people to participate in the protests and contribute to the development of this new language of resistance. On April, 26 our guests will make a dialogue about bodies, gestures, performance and performativity of the Jina ongoing revolution in Iran.

DEUTSCH: Die Körper, Gesten, Performances und die Performativität des jüngsten Frauenaufstands im Iran sind ein kraftvoller visueller und verkörperter Ausdruck der kollektiven Beschwerden und Bestrebungen des iranischen Volkes. Diese Formen des Protests dienen auch als Mittel der Kommunikation und Koordination unter den Protestierenden. Durch die Schaffung dieser Ausdrucksformen sind die DemonstrantInnen in der Lage, sich gegenseitig Botschaften und Ideen zu übermitteln, ohne sich auf traditionelle Kommunikationsformen zu verlassen, die vom Staat überwacht oder zensiert werden können. Der Einsatz von Körpern, Gesten, Performances und Performativität bei den Protesten ist nicht auf KünstlerInnen oder AkademikerInnen beschränkt, sondern stellt eine Form des Widerstands dar die allen Klassen und Randgruppen der iranischen Gesellschaft zugänglich ist. Dies hat es einem breiten Spektrum von Menschen ermöglicht, an den Protesten teilzunehmen und zur Entwicklung dieser neuen Sprache des Widerstands beizutragen. Am 26. April werden unsere Gäste einen Dialog über Körper, Gesten, Performance und Performativität der laufenden Jina-Revolution im Iran führen.

GUESTS / GÄSTE
Parastou Forouhar is an Iranian installation artist who lives and works out of Frankfurt, Germany. Forouhar's art reflects her criticism of the Iranian government and often plays with the ideas of identity. Her artwork expresses a critical response towards the politics in Iran and Islamic fundamentalism.

Ali Jamshidi is a scientist/independent art researcher based in Den Haag, The Netherlands. He received his PhD with a postdoctoral extension at Delft University of Technology and is currently doing a master program on comparative cultural analysis at University of Amsterdam.


ARCHIVGESPRÄCH #3 (in English / in Englisch)

12. April, 7 pm

Das Wissen der Bewegungen. Was „Frau. Leben. Freiheit“ und andere Protestbewegungen voneinander lernen und verlernen können / The knowledge of the movements. What "Woman. Live. Freedom" and other protest movements can learn and unlearn from each other

The Iranian feminist revolution and the revolutionary movement of South American women share some important similarities in terms of their goals and struggles. Both movements are fighting for greater gender equality, challenging patriarchal power structures, and advocating for the rights of marginalized women. In Iran, feminist activists have been working for decades to challenge the restrictive laws and cultural norms that limit women's rights and opportunities. The Iranian feminist movement has been particularly active in recent years, with women taking to the streets to protest against mandatory hijab laws and demand greater representation in government and society. Similarly, in South America, women have been at the forefront of revolutionary movements that seek to challenge the status quo and create a more just and equitable society. Women in countries such as Chile, Argentina, and Bolivia have been fighting for reproductive rights, labor rights, and an end to gender-based violence. Despite the geographical distance between these two movements, there are many ways in which they can come together and support each other. One key aspect of this is intersectional solidarity, which recognizes that different forms of oppression and discrimination are interconnected and must be addressed together. For example, both the Iranian feminist revolution and the South American women's movement face challenges related to race, class, and sexuality, in addition to gender. By recognizing these intersecting struggles and working together to address them, activists from both movements can build a stronger and more inclusive movement for gender equality and social justice. In practical terms, this might involve sharing resources and knowledge, collaborating on advocacy efforts, and engaging in cross-cultural dialogue and exchange. It might also involve recognizing and addressing the ways in which our own movements may inadvertently perpetuate oppression or exclusion. Ultimately, by coming together in solidarity and recognizing our common goals and struggles, we can build a more powerful and effective movement for gender equality and social justice both within our own communities and on a global scale. 

GUESTS

Andrea Ancira García (Mexico City) is a writer, editor and curator. Her practice is situated at the crossroads of art, politics, and experimentation as a site of imagination, (un)learning and affective research. She co-created the feminist platform *tumbalacasa ediciones* and is part of the feministisches* bloco descolonial in Viena.

Susana Ojeda is an anthropologist, filmmaker and activist based in Vienna. Since 2011, she has been making independent short films and visual documentation about artistic projects, activist actions and social processes with her co-owned production company estudio elgozo. In Vienna, Susana is part of the activist collectives: Feministisches* Bloco Descolonial, Kollektiv antikolonialer Interventionen in Wien, Alerta Feminista Austria and Claim the Space. 


ARCHIVGESPRÄCH #2 (in Deutsch / in German)

22. März, 19 Uhr

Der blinde Fleck. Wie die kurdischen Wurzeln des Aufstands vergessen und verdrängt werden / The Blind Spot. How the Kurdish Roots of the Uprising are Forgotten and Repressed 

Der Kampf der Völker im Nahen Osten, insbesondere der Frauen*, ist eng miteinander verwoben. Erfahrungen, Literatur, Verbündete und Gegner überschreiten häufig die Grenzen, die von den Kolonialmächten gezogen wurden und Völker, Berge, Wälder, Nomadenrouten und das Land selbst trennen. Daher ist es wichtig, den Kampf der Frauen in einem bestimmten Gebiet des Nahen Ostens als Teil der Entwicklung der gesamten Region zu diskutieren und zu betrachten. Ein gutes Beispiel ist der Befreiungskampf der kurdischen Frauen, die sich in vier Nationalstaaten - Iran, Türkei, Irak und Syrien - aufgeteilt sehen. Tyma Kraitt und Sakina Teyna werden daher einen Dialog führen, der die Situation im Iran mit der in ganz Kurdistan und im Irak verbindet und das "Archiv der flüchtigen Protestformen" um die Erfahrungen von Frauen jenseits der Grenze erweitert. 

GÄSTE

Tyma Kraitt (geb. 1984) studierte Philosophie an der Universität Wien und ist Erwachsenenbildnerin sowie Buchautorin. Im Rahmen ihrer publizistischen Tätigkeiten hat sie sich intensiv mit den politischen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten auseinandergesetzt. Sie hat irakisch-syrische familiäre Wurzeln und ist in Bagdad geboren, wo sie ihre frühe Kindheit verbracht hat. Zuletzt von ihr erschienen ist das Buch: Sunniten gegen Schiiten - Zur Konstruktion eines Glaubenskrieges (Verlag Wagenbach, 2021).

Sakina Teyna ist eine kurdische Sängerin, welche ab 1991 unter dem Dach der MKM, dem Zentrum für kurdische Kultur und Kunst in Istanbul, als Vokalistin mitwirkte. Analog zu vielen kurdischen Künstler:innen musste sie in politisch unruhigen Zeiten ihre Musik in der Illegalitität weiter betreiben und pausierte für eine lange Zeit aufgrund ihrer politischen Aktivitäten ihr künstlerisches Schaffen. Im Jahr 2006 kam sie als politischer Flüchtling in Österreich an und fing wieder an, Musik zu machen. Sie brachte ihr erstes Soloalbum ROYÊ MI heraus und gründete mit der Pianistin Nazê Îşxan und der Violinistin Nurê Dilovanî die Gruppe TRIO MARA. In Zusammenarbeit mit dem Anadolu Quartet fanden Konzerttourneen in Deutschland und Österreich statt. Im Jahr 2015 gründete Sakina gemeinsam mit Musiker:innen aus Österreich, Spanien, dem Iran und der Türkei die Jazzband Sakina & Friends. In diesen verschiedenen Zusammenarbeiten folgten weitere Alben und zahlreiche internationale Konzerte. Sakina Teyna setzt sich sich in ihren künstlerischen Aktivitäten für Frauen- und Menschenrechte ein. Mit ihrer Musik möchte sie den Reichtum der verschiedenen Kulturen und Sprachen erfahrbar machen. Die Vielsprachigkeit ist ihr dabei sehr wichtig. Bewusst singt sie auf der Bühne nicht nur auf Kurdisch, sondern auch auf Türkisch, Armenisch,  Farsi oder Arabisch.

Özlem Yilmaz Performance-Künstlerin and Theaterschauspielerin


ARCHIVGESPRÄCH #1 (in Deutsch / in German)

8. März, 19 Uhr

„Don’t read newspapers, read walls“. Die Sprache des Protests zwischen Journalismus, Medienaktivismus und Influencing / The language of protest between journalism, media activism and influencing

“Gemeinsam mit unseren Gästen werden wir ein Gespräch über das Wesen der Kunst, die verschiedenen Formen der Protestkunst, die Rolle der Medien und die Gründe für das Aufkommen der Mikromedien führen. Da diese Bilder und Aktionen im Iran als Formen der Protestkunst gelten und die Bedeutung von Kunst in verschiedenen Situationen unterschiedlich interpretiert wird, stellt sich die Frage: "Was ist Kunst?" Wird Kunst geschaffen oder entsteht sie einfach auf natürliche Weise? Entsteht Kunst aus der Kombination von Beziehungen und Ereignissen, die sie hervorbringen? Aufgrund der Bedeutung von Gesten, Körpern und Figuren fragt man sich, wie sehr sich alltägliche, nicht-künstlerische Figuren von künstlerischen Figuren unterscheiden. etc

Die meisten dieser Bilder im Archiv wurden von persönlichen Seiten und unabhängigen Nachrichtenkonten erstellt und gepostet, die seit dem Beginn der Jina-Bewegung erheblich zugenommen haben. Welche Rolle spielen die Mikromedien in totalitären Regimen in der Welt? Welche Rolle spielen die Mainstream-Medien? Wie haben nicht-iranische Medien diese Bilder verstanden und wiedergegeben? Aus welchen Quellen haben sie ihre Bilder und Nachrichtenartikel bezogen? Wie kann man zwischen Fake News und echten Nachrichten unterscheiden?” Negin Rezaie

GÄSTE

Anita Hosseini ist Senior Scientist der Abteilung Kunstgeschichte an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Sie studierte Kunstgeschichte, Sozialpsychologie/-anthropologie und Gender Studies. Epochenübergreifend und interdisziplinär widmet sie sich in ihrer Forschung wissens(chafts)geschichtlichen, transkulturellen und transhistorischen Fragestellungen. Im Oktober 2020 gründete sie gemeinsam mit zwei weiteren Kunsthistorikerinnen das Fachforums «Kunstgeschichte inklusiv», das sich unter Berücksichtigung inhaltlicher, praktischer und struktureller Fragen für eine intersektionale und gerechtere kunstgeschichtliche Disziplin einsetzt.

Katja Teuchmann ist Radio Journalist, Podcaster & Writer, Socio Culturepreneur. Sie ist ausgebildete Wirtschaftspsychologin, war bis 2015 ineinem international en Beratungsunternehmen tätig. Seit 5 Jahren ist sie als Kulturreisende im Nahen Osten unterwegs, lernt Arabisch und startete als social artrepreneur. Sie veröffentlicht ihre Erfahrungen in einem Blog und Interviews mit Menschen und vor allem Frauen aus dem Nahen Osten als Podcasts unter safatalents.org.

Photos Jakob Lindner


[1] Im Englischen wäre Judith Butler „Bodies that matter“ passend, lässt sich aber nicht so einfach übersetzen


ExhibitionArt hinterlnd